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Beweis (Mathematik)
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Ein Beweis ist in der Mathematik die als fehlerfrei anerkannte Herleitung der Richtigkeit bzw. der Unrichtigkeit einer Aussage aus einer Menge von Axiomen, die als wahr vorausgesetzt werden, und anderen Aussagen, die bereits bewiesen sind. Man spricht daher auch von axiomatischen Beweisen.
In der Beweistheorie, einem Teilgebiet der mathematischen Logik, werden Beweise formal als Ableitungen aufgefasst und selbst als mathematische Objekte betrachtet, um etwa die Beweisbarkeit oder Unbeweisbarkeit von SĂ€tzen aus gegebenen Axiomen selbst zu beweisen.
Contents
âą Existenzbeweise
âą Mengenlehre
âą Formale Beweise
âą Beweismethoden
âą Direkter Beweis
âą Beweisstrategien
âą Extremalprinzip
âą Invarianzprinzip
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Konstruktive und nicht-konstruktive Beweise
Existenzbeweise
Bei einem konstruktiven Existenzbeweis wird entweder die Lösung selbst genannt, deren Existenz zu zeigen ist, oder ein Verfahren angegeben, das zur Lösung fĂŒhrt, das heiĂt, es wird eine Lösung konstruiert.
Bei einem nicht-konstruktiven Beweis wird anhand von Eigenschaften auf die Existenz einer Lösung geschlossen. Manchmal wird sogar indirekt die Annahme, es gĂ€be keine Lösung, zum Widerspruch gefĂŒhrt, woraus folgt, dass es eine Lösung gibt. Aus solchen Beweisen geht nicht hervor, wie man die Lösung gewinnt.
Ein einfaches Beispiel soll dies verdeutlichen.
Behauptung: Die Funktion f {\displaystyle f} mit f ( x ) = 2 x â â 1 {\displaystyle f(x)=2x-1} besitzt im Intervall [ 0 , 1 ] {\displaystyle [0,1]} mindestens eine Nullstelle x 0 {\displaystyle x_{0}} .
Konstruktiver Beweis: Sei x 0 = 0 , 5 {\displaystyle x_{0}=0{,}5} . Dann gilt f ( x 0 ) = 2 â
â
x 0 â â 1 = 2 â
â
0 , 5 â â 1 = 1 â â 1 = 0 {\displaystyle f(x_{0})=2\cdot x_{0}-1=2\cdot 0{,}5-1=1-1=0} . Ferner liegt x 0 = 0 , 5 {\displaystyle x_{0}=0{,}5} im Intervall [ 0 , 1 ] {\displaystyle [0,1]} . Damit ist die Behauptung bewiesen. Die Nullstelle ist sogar mit x 0 = 0 , 5 {\displaystyle x_{0}=0{,}5} angegeben.
Nicht-konstruktiver Beweis: f {\displaystyle f} ist stetig. Ferner ist f ( 0 ) = â â 1 < 0 {\displaystyle f(0)=-1<0} und f ( 1 ) = 1 > 0 {\displaystyle f(1)=1>0} . Nach dem Zwischenwertsatz fĂŒr stetige Funktionen folgt die Behauptung. Ăber den Wert der Nullstelle liefert dieser Beweis jedoch keine Information.
Mengenlehre
In der auf dem Axiomensystem ZFC aufbauenden Mengenlehre nennt man Beweise nicht-konstruktiv, wenn sie das Auswahlaxiom verwenden. Denn alle anderen Axiome von ZFC beschreiben, welche Mengen es gibt bzw. was man mit Mengen machen kann, und geben die konstruierten Mengen an. Nur das Auswahlaxiom postuliert die Existenz einer gewissen Auswahlmöglichkeit, ohne anzugeben, wie diese Auswahl auszufĂŒhren wĂ€re. In der Anfangszeit der Mengenlehre war das Auswahlaxiom wegen seines nicht-konstruktiven Charakters heftig umstritten (der mathematische Konstruktivismus vermeidet bewusst das Auswahlaxiom), daher rĂŒhrt seine Sonderstellung nicht nur in der abstrakten Mengenlehre, sondern auch bei Beweisen in anderen Teilgebieten der Mathematik. In diesem Sinne gelten alle Beweise, die das Lemma von Zorn verwenden, als nicht-konstruktiv, denn dieses Lemma ist Ă€quivalent zum Auswahlaxiom.
Die gesamte Mathematik kann im Wesentlichen auf ZFC aufgebaut und im Rahmen von ZFC bewiesen werden. Ăber die Grundlagen der Mengenlehre legt der arbeitende Mathematiker in der Regel keine Rechenschaft ab, lediglich die Verwendung des Auswahlaxioms findet ErwĂ€hnung, in der Regel in der Form des Lemmas von Zorn. DarĂŒber hinausgehende mengentheoretische Annahmen werden stets angegeben, zum Beispiel wenn man die Kontinuumshypothese oder ihre Negation verwendet.
Formale Beweise
Formale Beweise reduzieren die Beweisschritte auf eine Reihe definierter Operationen auf Zeichenketten. Solche Beweise können in der Regel nur mit MaschinenunterstĂŒtzung erstellt werden (siehe etwa Coq (Software)) und sind fĂŒr Menschen kaum lesbar, schon allein die Ăbertragung der zu beweisenden SĂ€tze in eine rein formale Sprache fĂŒhrt zu sehr langen, umstĂ€ndlichen und unverstĂ€ndlichen Zeichenketten. Eine Reihe bekannter SĂ€tze wurde inzwischen formalisiert und deren formaler Beweis maschinell ĂŒberprĂŒft. In der Regel genĂŒgt den Mathematikern jedoch die Gewissheit, dass ihre Argumentationsketten prinzipiell in formale Beweise ĂŒbertragbar wĂ€ren, ohne dass dies tatsĂ€chlich ausgefĂŒhrt wird, sie verwenden die im Folgenden vorgestellten Beweismethoden.
Beweismethoden
Einige mathematische SĂ€tze oder logische Schlussregeln lassen sich fĂŒr eine Vielzahl von Beweisen einsetzen und beeinflussen die Struktur des Beweises besonders stark. Die systematische Vorgehensweise zur Anwendung dieser bezeichnet man dann als Beweismethode, Beweisverfahren, Beweistechnik oder Beweisprinzip. Die GĂŒltigkeit einer Beweismethode bedarf selbst eines Beweises, im Rahmen der Axiome und der Logik gĂŒltig zu sein (etwa ist die Reductio ad absurdum [s. u.] in der Grundform nicht in intuitionistischer Logik, und eine transfinite Induktion ĂŒber alle Kardinalzahlen nur unter Voraussetzung des Wohlordnungssatzes möglich). Hier eine Auswahl von Standard-Beweismethoden:
Direkter Beweis
FĂŒr einen direkten Beweis (direkter Schluss) nimmt man einen bereits als richtig bewiesenen Satz (PrĂ€misse) und leitet, durch logische Schlussfolgerungen, daraus den zu beweisenden Satz (Konklusion) ab. Als einfaches Beispiel diene Folgendes:
Behauptung: Das Quadrat einer ungeraden natĂŒrlichen Zahl n {\displaystyle n} ist stets ungerade.
Beweis: Es sei n {\displaystyle n} eine ungerade natĂŒrliche Zahl. Das heiĂt, n {\displaystyle n} lĂ€sst sich darstellen als n = 2 k + 1 {\displaystyle n=2k+1} , wobei k {\displaystyle k} eine natĂŒrliche Zahl oder Null ist. Daraus folgt mit Hilfe der ersten binomischen Formel
n 2 = ( 2 k + 1 ) 2 = 4 k 2 + 4 k + 1 = 2 â
â
( 2 k 2 + 2 k ) + 1 {\displaystyle n^{2}=(2k+1)^{2}=4k^{2}+4k+1=2\cdot (2k^{2}+2k)+1} .
Aus der Möglichkeit, n 2 {\displaystyle n^{2}} so darzustellen folgt, dass n 2 {\displaystyle n^{2}} ungerade ist.
Indirekter Beweis
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Hauptartikel
:
Reductio ad absurdum
Bei einem indirekten Beweis (Reductio ad absurdum, Widerspruchsbeweis) zeigt man, dass ein Widerspruch entsteht, wenn die zu beweisende Behauptung falsch wÀre. Dazu nimmt man an, dass die Behauptung falsch ist, und wendet dann die gleichen Methoden wie beim direkten Beweis an. Wenn daraus ein Widerspruch entsteht, dann kann die Behauptung nicht falsch sein, also muss sie richtig sein (Satz vom ausgeschlossenen Dritten).
Nun ein Beispiel fĂŒr eine reductio ad absurdum:
Behauptung: Ist die Wurzel aus einer geraden natĂŒrlichen Zahl n {\displaystyle n} eine natĂŒrliche Zahl, so ist diese gerade.
Beweis: Angenommen, n = k {\displaystyle {\sqrt {n}}=k} wĂ€re ungerade. Dann ist auch k 2 = n {\displaystyle k^{2}=n} ungerade (siehe obiges Beispiel zum direkten Beweis), und das ist ein Widerspruch zu der Voraussetzung, dass n {\displaystyle n} gerade ist. Also ist die getroffene Annahme falsch, das heiĂt, n {\displaystyle {\sqrt {n}}} ist gerade.
Ein weiteres klassisches Beispiel:
Behauptung: Die Zahl 2 {\displaystyle {\sqrt {2}}} ist irrational.
Beweis: Angenommen, diese Zahl wĂ€re rational. Dann kann man sie als Bruch 2 = l k {\displaystyle {\sqrt {2}}={\tfrac {l}{k}}} darstellen, wobei l {\displaystyle l} und k {\displaystyle k} natĂŒrliche Zahlen und ohne BeschrĂ€nkung der Allgemeinheit teilerfremd sind (sonst kann man den Bruch soweit kĂŒrzen, bis das der Fall ist). Daraus folgt durch Quadrieren
2 = l 2 k 2 {\displaystyle 2={\frac {l^{2}}{k^{2}}}\,} , also l 2 = 2 k 2 . {\displaystyle \,l^{2}=2k^{2}.}
Folglich ist l 2 {\displaystyle l^{2}} eine gerade Zahl. Da die Wurzel aus einer geraden Quadratzahl auch gerade ist (siehe vorangegangene Behauptung), ist l {\displaystyle l} selbst gerade, also ist l 2 {\displaystyle {\tfrac {l}{2}}} eine natĂŒrliche Zahl. Durch Umformung der letzten Gleichung erhĂ€lt man
k 2 = l 2 2 = 2 â
â
( l 2 ) 2 . {\displaystyle k^{2}={\frac {l^{2}}{2}}=2\cdot \left({\frac {l}{2}}\right)^{2}.}
Das zeigt, dass k 2 {\displaystyle k^{2}} und somit auch k {\displaystyle k} gerade natĂŒrliche Zahlen sind. Also sind l {\displaystyle l} und k {\displaystyle k} beide gerade und haben somit beide den Teiler 2. Damit sind l {\displaystyle l} und k {\displaystyle k} nicht teilerfremd â im Widerspruch zu der Annahme ihrer Teilerfremdheit. Also ist auch die ursprĂŒngliche Annahme, 2 {\displaystyle {\sqrt {2}}} sei rational, falsch.
Die vorangegangenen Beispiele sind nicht darauf angewiesen, dass das Prinzip vom ausgeschlossenen Dritten zur VerfĂŒgung steht, wenn man âx ist irrationalâ als âx ist nicht rationalâ definiert. Was die Form angeht, ist das zweite eher ein direkter Beweis einer Negation.
Ein Beispiel, fĂŒr das tatsĂ€chlich klassische Logik benötigt wird (und wir verwenden das Prinzip des indirekten Beweises ineffizienterweise zunĂ€chst ausschlieĂlich ganz auĂen):
Behauptung: (C): ÂŹ ÂŹ ( α α â â ÎČ ÎČ ) â â α α {\displaystyle \lnot (\alpha \to \beta )\to \alpha } .
Beweis: Wir nehmen die Negation von (C), also (A): ÂŹ ÂŹ ( ÂŹ ÂŹ ( α α â â ÎČ ÎČ ) â â α α ) {\displaystyle \lnot (\lnot (\alpha \to \beta )\to \alpha )} , an und fĂŒhren diese Annahme zu einem Widerspruch: ZunĂ€chst gilt (B): α α â â ÎČ ÎČ {\displaystyle \alpha \to \beta } , denn α α {\displaystyle \alpha } angenommen, gilt natĂŒrlich auch ÂŹ ÂŹ ( α α â â ÎČ ÎČ ) â â α α {\displaystyle \lnot (\alpha \to \beta )\to \alpha } , was (A) widerspricht. Daher gilt aber auch (C), denn, ÂŹ ÂŹ ( α α â â ÎČ ÎČ ) {\displaystyle \lnot (\alpha \to \beta )} angenommen, haben wir einen Widerspruch zu (B). (C) widerspricht nun offenbar der Annahme (A), wir haben also den gewĂŒnschten Widerspruch.
Besserer Beweis: Wir nehmen ÂŹ ÂŹ ( α α â â ÎČ ÎČ ) {\displaystyle \lnot (\alpha \to \beta )} an und zeigen unter dieser Annahme α α {\displaystyle \alpha } , indem wir ÂŹ ÂŹ α α {\displaystyle \lnot \alpha } zu einem Widerspruch fĂŒhren: Gilt nĂ€mlich ÂŹ ÂŹ α α {\displaystyle \lnot \alpha } , dann auch α α â â ÎČ ÎČ {\displaystyle \alpha \to \beta } , weil die Annahme von α α {\displaystyle \alpha } zu einem Widerspruch fĂŒhrt. α α â â ÎČ ÎČ {\displaystyle \alpha \to \beta } widerspricht dann aber der globalen Annahme.
An diesem Beispiel sieht man einen Hinweis zur Pragmatik des Beweisfindens: In der Regel ist es von Vorteil, das Prinzip des indirekten Beweisens möglichst spĂ€t anzuwenden und so lange, wie es geht, Pfade zum Finden direkter Beweise zu verfolgen. Ăberdies zeigt die Beweistheorie, dass man durch Verfolgen der Strategie, das Prinzip des indirekten Beweisens möglichst spĂ€t anzuwenden, und dabei keine unmotivierten Wahlen zu treffen, nicht in einer Situation landen kann, in der man Unmögliches zu beweisen hat, ein frĂŒheres Abbiegen auf einen Pfad zu einem indirekten (Teil-)Beweis aber von Erfolg gekrönt gewesen wĂ€re.
VollstÀndige Induktion
Der Beweis durch vollstĂ€ndige Induktion ist ein oft angewendetes Verfahren zum Beweis von SĂ€tzen der Form âFĂŒr jede natĂŒrliche Zahl n {\displaystyle n} gilt âŠâ. Dazu zeigt man zuerst, dass die Aussage fĂŒr n = 0 {\displaystyle n=0} (oder auch einen anderen Anfangswert n 0 {\displaystyle n_{0}} ) gilt, und danach, dass sie immer auch fĂŒr n + 1 {\displaystyle n+1} gilt, wenn sie fĂŒr ein n {\displaystyle n} gilt. Die vollstĂ€ndige Induktion lĂ€sst sich mit einem Domino-Effekt veranschaulichen. Man stellt die Steine so auf, dass, wenn einer umfĂ€llt, auch immer der nĂ€chste umfĂ€llt ( n {\displaystyle n} â n + 1 {\displaystyle n+1} ), und stöĂt den ersten Stein um ( n = 0 {\displaystyle n=0} ).
Ein einfaches Beispiel:
Behauptung: Es gilt fĂŒr alle natĂŒrlichen Zahlen n {\displaystyle n} : 1 + 3 + ⯠⯠+ ( 2 n + 1 ) = ( n + 1 ) 2 {\displaystyle 1+3+\dotsb +(2n+1)=(n+1)^{2}}
Beweis:
1. Die Behauptung gilt fĂŒr n = 0 {\displaystyle n=0} : ( 2 â
â
0 + 1 ) = 1 = ( 0 + 1 ) 2 {\displaystyle (2\cdot 0+1)=1=(0+1)^{2}} ist eine wahre Aussage.
2. Die Behauptung sei fĂŒr ein n {\displaystyle n} gĂŒltig. FĂŒr n + 1 {\displaystyle n+1} untersucht man die Summe
1 + 3 + ⯠⯠+ ( 2 n + 1 ) + ( 2 n + 3 ) {\displaystyle 1+3+\dotsb +(2n+1)+(2n+3)} Da die Behauptung fĂŒr n {\displaystyle n} gĂŒltig ist, folgt 1 + 3 + ⯠⯠+ ( 2 n + 1 ) + ( 2 n + 3 ) = ( n + 1 ) 2 + ( 2 n + 3 ) = ( n + 1 ) 2 + 2 ( n + 1 ) + 1 = ( ( n + 1 ) + 1 ) 2 {\displaystyle {\begin{aligned}1+3+\dotsb +(2n+1)+(2n+3)&=(n+1)^{2}+(2n+3)\\&=(n+1)^{2}+2(n+1)+1\\&=((n+1)+1)^{2}\end{aligned}}} Also gilt die Behauptung auch fĂŒr n + 1 {\displaystyle n+1} , damit ist die Aussage nach dem Induktionsprinzip bewiesen.
VollstÀndige Fallunterscheidung
Bei einem Beweis durch vollstĂ€ndige Fallunterscheidung (engl. proof by exhaustion âdurch Ausschöpfungâ) wird jeder der möglichen FĂ€lle einzeln betrachtet. Die Zahl der möglichen FĂ€lle muss daher endlich sein.
Behauptung: Jede Primzahl p â„ â„ 3 {\displaystyle p\geq 3} hat die Form p = 4 â
â
k ± ± 1 {\displaystyle p=4\cdot k\pm 1} mit einer natĂŒrlichen Zahl k {\displaystyle k} .
Beweis: Man unterscheidet folgende vier FĂ€lle fĂŒr die Zahl p {\displaystyle p} , von denen immer genau einer eintritt:
1. p = 4 k {\displaystyle p=4k}
2. p = 4 k + 1 {\displaystyle p=4k+1}
3. p = 4 k + 2 {\displaystyle p=4k+2}
4. p = 4 k + 3 = 4 ( k + 1 ) â â 1 {\displaystyle p=4k+3=4(k+1)-1}
Im ersten dieser FĂ€lle ist p {\displaystyle p} durch 4 teilbar und damit keine Primzahl, im dritten Fall ist p {\displaystyle p} durch 2 teilbar und somit ebenfalls keine Primzahl. Also muss einer der FĂ€lle zwei oder vier eintreten, das heiĂt, p {\displaystyle p} hat die Form p = 4 â
â
k ± ± 1 {\displaystyle p=4\cdot k\pm 1} mit einer natĂŒrlichen Zahl k {\displaystyle k} .
Es sei angemerkt, dass die Fallunterscheidung zwar vollstĂ€ndig sein muss, aber die untersuchten FĂ€lle sich nicht gegenseitig ausschlieĂen mĂŒssen.
Schubfachprinzip/Taubenschlagprinzip
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Hauptartikel
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Schubfachprinzip
Das Schubfachprinzip geht auf den deutschen Mathematiker Dirichlet zurĂŒck und kann sehr anschaulich formuliert werden: Verteilt man n + 1 {\displaystyle n+1} GegenstĂ€nde auf n {\displaystyle n} SchubfĂ€cher, dann befinden sich in mindestens einem Schubfach mindestens zwei GegenstĂ€nde. Als Beispiel betrachten wir:
Behauptung: Hat A â â { 1 , 2 , ⊠⊠, 2 n } {\displaystyle A\subset \{1,2,\ldots ,2n\}} mindestens n + 1 {\displaystyle n+1} Elemente, so gibt es a , b â â A {\displaystyle a,b\in A} mit a | b {\displaystyle a|b} .
Beweis: Alle Elemente aus A {\displaystyle A} haben die Gestalt 2 k m {\displaystyle 2^{k}m} mit einer ungeraden Zahl m {\displaystyle m} . Von diesen gibt es aber nur n {\displaystyle n} verschiedene in { 1 , 2 , ⊠⊠, 2 n } {\displaystyle \{1,2,\ldots ,2n\}} , so dass eine ungerade Zahl bei obiger Zerlegung der mindestens n + 1 {\displaystyle n+1} Zahlen aus A {\displaystyle A} zweimal vorkommen muss (das ist das Schubfachprinzip). Daher enthĂ€lt A {\displaystyle A} zwei Zahlen 2 k m {\displaystyle 2^{k}m} und 2 l m {\displaystyle 2^{l}m} mit derselben ungeraden Zahl m {\displaystyle m} . Offenbar teilt die kleinere die gröĂere.cite-ref-1[1]
Diagonalverfahren
Die Diagonalverfahren wurden von Georg Cantor zum Beweis zweier spezieller Aussagen entwickelt. Sie haben sich seitdem als allgemeine Beweismethoden bewÀhrt.
Das erste Cantorsche Diagonalverfahren ist ein direkter Beweis fĂŒr die AbzĂ€hlbarkeit einer Menge. Es wird gezeigt, dass man jedem Element der zu untersuchenden Menge eine natĂŒrliche Zahl zuordnen kann.
Das zweite Cantorsche Diagonalverfahren ist ein indirekter Beweis fĂŒr die ĂberabzĂ€hlbarkeit einer Menge. Es wird also das Gegenteil angenommen, nĂ€mlich dass die Menge abzĂ€hlbar wĂ€re. Dann wird aus dieser Annahme ein Widerspruch hergeleitet, sodass sie fallen gelassen werden muss.
Transfinite Induktion
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Hauptartikel
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Transfinite Induktion
Bei der transfiniten Induktion wird die vollstÀndige Induktion auf beliebige wohlgeordnete Klassen verallgemeinert.
HĂ€ufig hat man es mit Aussagen ĂŒber alle Ordinalzahlen zu tun. Wie auch bei der oben vorgestellten vollstĂ€ndigen Induktion in N {\displaystyle \mathbb {N} } muss man die Behauptung fĂŒr die erste Ordinalzahl 0 beweisen, und dann, dass, wenn die Behauptung fĂŒr eine Ordinalzahl vorausgesetzt wird, sie auch fĂŒr deren Nachfolger gilt. Im Gegensatz zu obiger Induktion muss man zusĂ€tzlich zeigen, dass die Behauptung auch fĂŒr jede Limesordinalzahl gilt, wenn sie fĂŒr alle kleineren Ordinalzahlen zutrifft. Verzichtet man auf diesen zusĂ€tzlichen Teil, so funktioniert die transfinite Induktion nur bis unterhalb der ersten Limesordinalzahl, das heiĂt nur fĂŒr die Ordinalzahlen 0 , 1 , 2 , ⊠⊠{\displaystyle 0,1,2,\ldots } . Man erhĂ€lt dann die gewöhnliche vollstĂ€ndige Induktion in den natĂŒrlichen Zahlen, denn diese sind die Ordinalzahlen bis zur ersten Limesordinalzahl.
In der MaĂtheorie
Das Prinzip der guten Mengen wird in der MaĂtheorie verwendet, um zu beweisen, dass eine Aussage fĂŒr alle Elemente einer Ï-Algebra oder eines anderen Mengensystems zutrifft. AuĂerdem bedient man sich der maĂtheoretische Induktion als Beweismethode, um Aussagen fĂŒr eine vorgegebene Menge von messbaren Funktionen zu zeigen.
In der homologischen Algebra
Ein Beweisverfahren der homologischen Algebra ist die Diagrammjagd. Sie findet u. a. bei den Beweisen des FĂŒnferlemmas, des Schlangenlemmas oder des Neunerlemmas Anwendung.
Beweisstrategien
Neben den Beweismethoden gibt es einige hilfreiche Beweisstrategien: Entscheidet man sich beim Beweis einer Aussage fĂŒr eine der oben beschriebenen Methoden, so hilft bei der Umsetzung dieser Methode eine Beweisstrategie.
Extremalprinzip
Das Extremalprinzip tritt insbesondere bei Existenzbeweisen auf: Genauer immer dann, wenn es darum geht, die Existenz eines Objekts innerhalb einer Menge zu beweisen. Das allgemeine Extremalprinzip knĂŒpft an der Idee an, dass dort, wo etwas extremal (etwa gröĂtmöglich, kleinstmöglich usw.) wird, besondere Strukturen entstehen, aus denen im Rahmen der mathematischen BeweisfĂŒhrung wertvolle Fakten abgeleitet werden können.cite-ref-2[2] Diese ExtremalitĂ€t findet sich in der Mathematik hĂ€ufig, etwa in folgenden Eigenschaften:
âą Jede nichtleere, nach oben beschrĂ€nkte Teilmenge reeller Zahlen besitzt ein Supremum, d. h. eine kleinste obere Schranke (Supremumseigenschaft). Umgekehrt besitzt eine nach unten beschrĂ€nkte, nichtleere Teilmenge der reellen Zahlen ein Infimum, also eine gröĂte untere Schranke.
âą Jede nichtleere Menge natĂŒrlicher Zahlen enthĂ€lt eine kleinste Zahl. (Wohlordnungsprinzip)
Ein Beispiel fĂŒr das Extremalprinzip ist ein Beweis fĂŒr den Satz von Sylvester-Gallai. In diesem Beweis ist das extremale Objekt, das betrachtet wird, der Abstand des Punktes p {\displaystyle p} von der Geraden G {\displaystyle G} . In diesem Beweis werden weitere bewĂ€hrte Beweismethoden verwendet.
Invarianzprinzip
Das Invarianzprinzip folgt dem Grundsatz, ein Hauptaugenmerk auf dasjenige zu richten, was invariant (d. h. unverĂ€ndert) unter VerĂ€nderung bleibt. Oft versteht man ein komplexes System besser, wenn man versteht, wie sich dessen Einzelteile verhalten. Das Invarianzprinzip ist hilfreich fĂŒr Möglichkeitsbeweise und Unmöglichkeitsbeweise.cite-ref-3[3]
Ein interessantes anschauliches Beispiel fĂŒr das Invarianzprinzip sind bestimmte Schiebepuzzles mit genau einem freien Feld, unter anderem das sogenannte 15-Puzzle. Mit dem Invarianzprinzip kann auf ziemlich einfache Weise festgestellt werden, welche Konstellationen eines bestimmten Schiebepuzzles in welche Konstellationen ĂŒberfĂŒhrt werden können und in welche nicht.
âKonstruktive Nullâ
Beweise in der Analysis bedienen sich oft der Strategie des Hinzuaddierens einer âkonstruktiven Nullâ. Der Zusatz âkonstruktivâ rĂŒhrt daher, dass das Addieren einer Null einen mathematischen Ausdruck zwar nicht verĂ€ndert, allerdings in einigen FĂ€llen die Grundlage fĂŒr eine elegante algebraische Umformung bietet.
Beispielbeispiel
Möchte man zeigen, dass jede konvergente Folge eine Cauchy-Folge ist, so bedient man sich der âkonstruktiven Nullâ 0 = a â â a {\displaystyle 0=a-a} , um die Dreiecksungleichung auszunutzen. Sei ( a n ) n â â N {\displaystyle (a_{n})_{n\in \mathbb {N} }} eine beliebige konvergente Folge und a {\displaystyle a} ihr Grenzwert. Sei Δ Δ > 0 {\displaystyle \varepsilon >0} , dann gibt es nach Definition der (Folgen-)Konvergenz ein N â â N {\displaystyle N\in \mathbb {N} } mit | a â â a n | < Δ Δ 2 {\displaystyle |a-a_{n}|<{\frac {\varepsilon }{2}}} und | a â â a m | < Δ Δ 2 {\displaystyle |a-a_{m}|<{\frac {\varepsilon }{2}}} fĂŒr alle n , m â„ â„ N {\displaystyle n,m\geq N} . Sei n , m â„ â„ N {\displaystyle n,m\geq N} nun beliebig, so gilt:
| a n â â a m | = | a n â â a + a â â = 0 â â a m | = | ( a n â â a ) + ( a â â a m ) | ††| a n â â a | + | a m â â a | < Δ Δ 2 + Δ Δ 2 = Δ Δ {\displaystyle |a_{n}-a_{m}|=|a_{n}\overbrace {-a+a} ^{=0}-a_{m}|=|(a_{n}-a)+(a-a_{m})|\leq |a_{n}-a|+|a_{m}-a|<{\frac {\varepsilon }{2}}+{\frac {\varepsilon }{2}}=\varepsilon }
Somit ist jede konvergente Folge sogleich eine Cauchy-Folge, was zu beweisen war. Der Beweis lebt vom Hinzuaddieren einer âkonstruktiven Nullâ im zweiten Schritt.
Praktische Relevanz
Einige mathematische Beweise haben direkt oder indirekt eine erhebliche praktische Relevanz fĂŒr das tĂ€gliche Leben, zum Beispiel der Beweis, dass jede ganze Zahl eine eindeutige Darstellung im Dezimalsystem, Dualsystem (BinĂ€rsystem), Hexadezimalsystem und jedem anderen Stellenwertsystem hat. Jede beliebig groĂe ganze Zahl lĂ€sst sich auf solche Weise darstellen und keine ganze Zahl hat mehrere Darstellungen in einem bestimmen Stellenwertsystem. FĂŒr reelle Zahlen und komplexe Zahlen gilt das im Wesentlichen ebenfalls.
Wichtig ist auch der Beweis fĂŒr den Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung, der zum Beispiel fĂŒr die Berechnung und von Volumen und OberflĂ€chen von physischen Objekten relevant ist, beim Thema Beschleunigung oder anderen physikalischen Themen.
Viele mathematische Beweise betreffen nicht nur die Mathematik, sondern auch die Informatik. Einer der relevantesten ist der Beweis, dass n {\displaystyle n} vergleichbare Objekte bei gegebener Hardware prinzipiell nicht schneller sortiert werden können als in einer Laufzeit, die proportional zu n â
â
log ⥠⥠( n ) {\displaystyle n\cdot \log(n)} ist (Beweis der unteren Schranke fĂŒr vergleichsbasiertes Sortieren). Relevant ist auch die Tatsache, dass unter anderem der Dijkstra-Algorithmus und der Bellman-Ford-Algorithmus immer kĂŒrzeste Wege von Startknoten zu Zielknoten liefert. Als wissenschaftliche Grundlage fĂŒr diese Algorithmen werden sogenannte kantengewichtete Graphen verwendet.
Andere mathematische Beweise haben keine praktische Relevanz. Das gilt zum Beispiel fĂŒr viele Beweise der sogenannten Zahlentheorie.
Computerbeweise und maschinengestĂŒtztes Beweisen
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Hauptartikel
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MaschinengestĂŒtztes Beweisen
MaschinengestĂŒtztes Beweisen basiert auf der Verwendung von Computerprogrammen zur Erzeugung und ĂberprĂŒfung von mathematischen Beweisen logischer Theoreme. Im Unterschied zu einem Computerbeweis wird versucht, den gesamten formalen Beweis bestehend aus Schritten und Zwischenergebnissen zu konstruieren.
UnzĂ€hlige numerische Berechnungen sind kein allgemeingĂŒltiger Computerbeweis. Zum Beispiel ist die Programmierung von Integralberechnungen (Simpsonregel usw.) kein Beweis fĂŒr den Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung.
Der Vier-Farben-Satz und die Keplersche Vermutung sind bekannte Beispiele fĂŒr maschinengestĂŒtztes Beweisen. FĂŒr den Vier-Farben-Satz gab es kurioserweise einen Beweisversuch, der spĂ€ter als unvollstĂ€ndig erkannt und widerlegt wurde.
Computerbeweise fĂŒr mathematische Aussagen haben insofern eine andere QualitĂ€t als die Experimentalphysik oder andere statistische Erhebungen, weil sie nicht von der Anzahl der Experimente oder der Anzahl der untersuchten Dinge abhĂ€ngen und nur bedingt das Problem von Messabweichungen haben.
Siehe auch
Literatur
âą Martin Aigner, GĂŒnter M. Ziegler: Das BUCH der Beweise. Springer, Berlin 2004, ISBN 3-540-40185-7
âą Wolfgang Rautenberg: EinfĂŒhrung in die Mathematische Logik. 3. Auflage. Vieweg+Teubner, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-8348-0578-2, doi:10.1007/978-3-8348-9530-1.
Weblinks
Wikibooks: Mathe fĂŒr Nicht-Freaks: Beweis
â Lern- und Lehrmaterialien
Wikibooks: Beweisarchiv
â Lern- und Lehrmaterialien
âą Die Zeit: Obst in Formeln (zur Problematik eines Beweises mit Computer)
Einzelnachweise
cite-note-11. â M. Aigner, G. M. Ziegler: Proofs from THE BOOK, Springer-Verlag 1998, ISBN 3-540-63698-6, Kapitel 20: Pigeon-hole and double counting.
cite-note-22. â Daniel Grieser: Mathematisches Problemlösen und Beweisen: Eine Entdeckungsreise in die Mathematik. 2. Auflage. Springer Spektrum, 2016, ISBN 978-3-658-14764-8, S. 213â214.
cite-note-33. â Daniel Grieser: Mathematisches Problemlösen und Beweisen: Eine Entdeckungsreise in die Mathematik. 2. Auflage. Springer Spektrum, 2016, ISBN 978-3-658-14764-8, S. 248.